„Nothing equals Macbeth“, konstatierte einst Abraham Lincoln zu einem von Shakespeares berühmtesten Stücken. Und die Wirkung der an sich schon eindringlichen Tragödie wurde noch gesteigert durch die Wucht der Inszenierung, die wir im Januar im Landestheater Niederbayern besuchten.
Was der erst von Machtgier und seiner Frau, dann von Paranoia getriebene Macbeth auf seinem Weg vom schottischen Heerführer zum König und schließlich ins Sterbebett durchleidet, wurde in beklemmender Optik auf die Bühne gebracht: Clowns mit Maschinengewehren, eimerweise Kunstblut, ein König in Windeln und eine völlig nackte Lady Macbeth, die, schon längst wahnsinnig, über die Bühne torkelt – und immer wieder schwarzgekleidete Maskierte bei der Arbeit – sprich dem Morden.
So manch einem war das zu viel, und so blieben nach der Pause einige Stühle leer, die zuvor besetzt waren. Regisseur Markus Bartl war sich der Wirkung seiner Schöpfung wohl bewusst – und genoss es, damit zu spielen. Als sich einer der Schauspieler anschickt, gegen ein Säule zu urinieren, fragt er das Publikum: „Was haben Sie erwartet, das ist eine Bartls-Inszenierung?“.
Ein kurzer Blick in die teilweise wütenden Kommentare im Gästebuch des Theaters verrät, dass nicht jeder Besucher dergleichen erwartet hätte. Nicht nur Macbeth selbst, sondern auch seine Inszenierung in Passau erreicht so schnell wohl nichts – zumindest in Sachen Skandalpotential.